Bio-Oxymel mit Kurkuma, Ingwer, Schwarzkümmel und Pfeffer
Wie viel Kurkuma wirklich drin ist
Ich habe nachgesehen, was andere deklarieren, bevor ich diese Seite geschrieben habe. Beim am weitesten verbreiteten Bio-Oxymel mit Kurkuma und Ingwer im deutschen Handel steht in der Zutatenliste:
0,8 Prozent Kurkuma, 0,1 Prozent Ingwer. Zusammen unter einem Prozent. Der Hersteller schreibt selbst dazu, die Gewürze seien für Farbe und Geschmack gedacht.
Bei mir steht das hier:
- 69 % Bio-Honig aus meinen eigenen Völkern im Augsburger Stadtgebiet, nicht über 40 °C erwärmt
- 25,7 % naturtrüber Bio-Apfelessig
- 2,6 % Bio-Ingwer
- 1,5 % Bio-Kurkuma
- 1,1 % Bio-Schwarzkümmel
- 0,2 % schwarzer Bio-Pfeffer
Gewürz insgesamt: 5,3 Prozent. Gegen 0,9 Prozent. Rund das Sechsfache — und beim Ingwer allein das Sechsundzwanzigfache.
Man sieht und schmeckt das. Die Farbe ist kein blasses Gelb, sondern sattes Orange, und der erste Eindruck im Mund ist erdig und scharf, nicht süß. Wer ein mildes Oxymel sucht, ist bei meinem Thymian besser aufgehoben.
Ich nenne die Mengen, weil man wissen soll, was in der Flasche ist. Bei Kurkuma und Ingwer ist die Angabe ohnehin Pflicht, weil sie im Produktnamen stehen – bei mir steht sie oben statt im Kleingedruckten.
Die vier Gewürze und was jedes davon macht
| Zutat | Anteil | Was sie beiträgt |
|---|---|---|
| Bio-Ingwer | 2,6 % | die Schärfe, die im Rachen bleibt, und eine zitrusartige Spitze; die mengenmäßig führende Gewürzzutat |
| Bio-Kurkuma | 1,5 % | die Farbe und der erdig-bittere Grundton |
| Bio-Schwarzkümmel | 1,1 % | nussig-herb, leicht in Richtung Kreuzkümmel; bindet Kurkuma und Ingwer zusammen |
| Schwarzer Bio-Pfeffer | 0,2 % | eine zweite, kürzere Schärfe neben der des Ingwers |
Alle vier sind aus biologischem Anbau. Das ist keine Kür: In einem Bio-Lebensmittel müssen nach EU-Verordnung 2018/848 alle
landwirtschaftlichen Zutaten aus Bio-Anbau stammen. Ein einziges konventionelles Gewürz, und das Produkt darf nicht Bio heißen.
Warum Pfeffer dazukommt – und warum ich nicht das sage, was alle sagen
Fast überall, wo Kurkuma und Pfeffer zusammen auftauchen, steht die gleiche Erklärung: der Pfeffer verbessere die Aufnahme des Curcumins. Ich schreibe das absichtlich nicht als Verkaufsargument hin, und dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist rechtlich. Eine solche Aussage ist eine gesundheitsbezogene Angabe. Für Kurkuma, Ingwer und Schwarzkümmel ist in der EU keine einzige zugelassen. Der Bundesgerichtshof hat am 5. Juni 2025 ausdrücklich bestätigt, dass das auch für Pflanzenstoffe gilt, deren Bewertung noch läuft (Aktenzeichen I ZR 109/22, „Botanicals II“). Ich darf das nicht behaupten, also behaupte ich es nicht.
Der zweite ist inhaltlich interessanter. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Piperin aus schwarzem Pfeffer
den Abbau von Curcumin hemmt und die Curcumin-Werte dadurch die empfohlene Tagesmenge überschreiten können. Bei hochdosierten Kapselpräparaten ist das eine ernstzunehmende Frage. Bei zwei Gramm Pfeffer auf einen Liter Sauerhonig ist es keine – es zeigt aber, dass die Geschichte komplizierter ist, als sie in jedem zweiten Shop erzählt wird.
Der Pfeffer ist bei mir also aus dem Grund drin, aus dem Pfeffer seit immer in Gewürzmischungen mit Kurkuma ist, von Currypulver bis zur Goldenen Milch: er schmeckt dazu.
Wie es schmeckt
Zuerst erdig vom Kurkuma, dann die Süße des Honigs, dann die Säure, und am Ende bleibt die Schärfe von Ingwer und Pfeffer im Rachen stehen. Der Schwarzkümmel liegt darunter und hält das Ganze zusammen.
Es ist die kräftigere meiner beiden Sorten. Deutlich. Wer nur einen Teelöffel probiert, merkt den Unterschied zum Thymian sofort.
Das Mischungsverhältnis – und was die Zahlen bedeuten
Beim Oxymel gibt es kein einziges richtiges Verhältnis, sondern eine Bandbreite. Im Netz wird das meist als Zahlenpaar angegeben, ohne dazuzusagen, welche Zahl wofür steht. Deshalb hier ausdrücklich:
Die erste Zahl steht für den Honig, die zweite für den Essig.
| Verhältnis | Honiganteil | Ergebnis |
|---|---|---|
| 3 : 1 | 75 % | mild und sirupartig, der am häufigsten genannte Klassiker |
| 7 : 3 — mein Oxymel | 70 % | säurebetonter, bleibt gut dosierbar |
| 2 : 1 | 66 % | spürbar saurer, dünnflüssiger |
| 1 : 1 | 50 % | deutlich sauer, eher Getränk als Würze |
| 1 : 2 | 33 % | stark säuerlich, sehr flüssig |
Bei dieser Sorte hat der Essiganteil eine zusätzliche Aufgabe: Er trägt die Gewürze. Je zäher die Mischung, desto schlechter verteilt
sich das Kurkumapulver und desto schneller setzt es sich ab.
In der Küche
Goldene Milch, kalt angesetzt. Ein bis zwei Teelöffel Oxymel in ein Glas warme Milch oder Hafermilch einrühren – nicht
kochen, sonst wird der Honig unnötig erhitzt. Kurkuma, Ingwer und Pfeffer sind schon drin, du brauchst also nichts weiter.
Über Ofengemüse. Karotten, Pastinaken, Kürbis, Rote Bete, Blumenkohl – nach dem Backen einen Löffel darüber, nicht vorher.
Zu allem, was Röstaromen hat, und besonders gut zu Süßkartoffel.
Als Marinade. Für Hähnchen, Blumenkohl oder Tofu. Eine Stunde reicht. Beim Braten karamellisiert der Honig, die Schärfe
bleibt.
In Linsen- und Kürbissuppe. Kurz vor dem Servieren einrühren, nicht mitkochen. Ein Löffel ersetzt sowohl das Süßungs-
mittel als auch den Säureschluss am Ende.
In Dressings für kräftige Salate. Zu Rohkost, Karotte, Rotkohl, Linsensalat. Bei zarten Blattsalaten ist es zu dominant –
dafür nimm den Thymian.
Als Getränk. Ein bis zwei Esslöffel auf ein Glas Wasser oder Sprudel, also etwa ein Teil Oxymel auf zehn Teile Wasser.
Im Winter in warmem Wasser. Vorher schütteln.
Oxymel-Limonade. Das Rezept, nach dem wir sie in der Imkerei machen – mit dieser Sorte wird sie deutlich kräftiger als mit
dem Thymian. Für einen Liter: 80 ml Oxymel, 80 ml Orangensaft, 800 ml Mineralwasser, etwa 20 ml Zitronensaft. Kalt zusammenrühren, mit Eiswürfeln servieren.
Warum Honig und Essig zusammen
Honig und Essig holen unterschiedliche Dinge aus einem Gewürz heraus. Der Essig ist wässrig und sauer und löst andere Bestandteile als der Honig, der zäh und zuckerreich ist und Aromen festhält, die beim Aufbrühen mit heißem Wasser entweichen würden. Zusammen bekommen die beiden mehr aus Kurkuma, Ingwer und Schwarzkümmel heraus als jedes für
sich. Das ist der Grund, warum Oxymel etwas anderes ist als Gewürztee mit Honig.
Aus meiner Imkerei
Der Honig wird nicht über 40 Grad erwärmt. Er kommt praktisch so in die Mischung, wie er geschleudert wurde – von meinen 25 Völkern im Augsburger Stadtgebiet. Dazu kommen der naturtrübe Bio-Apfelessig und die vier Gewürze.
Vor dem Abfüllen wird abgeseiht. Was grob ist, kommt heraus: Ingwer, Schwarzkümmelsamen, Pfeffer. Das Kurkuma bleibt drin — Pulver geht durch jedes Tuch.
Filtriert wird nicht. Deshalb setzt sich das Gewürz unten ab, und das ist gewollt und kein Fehler. Vor jedem Gebrauch kräftig schütteln, sonst hast du die ganze Schärfe in den letzten zwei Esslöffeln.
Angesetzt und abgefüllt wird alles in Inningen, von Hand und in kleinen Mengen. Die Imkerei ist nach der EU-Öko-Verordnung
zertifiziert, Kontrollnummer DE-ÖKO-037.
Woher der Name kommt
Oxymel kommt aus dem Griechischen: oxys heißt sauer, meli heißt Honig. Wörtlich also Sauerhonig – so wird es im
Deutschen bis heute auch genannt.
Die Zubereitung ist alt, und man kann das genau belegen. Plinius der Ältere beschreibt im 23. Buch seiner Naturalis Historia,
Kapitel 29, ein Rezept, das er dem Arzt Dieuches zuschreibt: Honig, alter Essig, Meersalz und Regenwasser, zusammen aufgekocht. Das ist etwas anderes als das, was ich mache – bei mir wird nichts gekocht und nichts gesalzen — aber das Prinzip ist zweitausend Jahre alt.
Im Netz kursieren Angaben von 2.500 bis über 4.000 Jahren. Die widersprechen sich und stehen nirgends mit einer Quelle. Deshalb nenne ich lieber die eine Stelle, die man nachlesen kann.
Häufige Fragen
Wie viel Kurkuma und Ingwer sind drin?
1,5 Prozent Bio-Kurkuma und 2,6 Prozent Bio-Ingwer, dazu 1,1 Prozent Schwarzkümmel und 0,2 Prozent Pfeffer — zusammen 5,3 Prozent Gewürz. Das am weitesten verbreitete Bio-Oxymel mit Kurkuma und Ingwer deklariert 0,8 und 0,1 Prozent, zusammen also 0,9.
Ist Schwarzkümmel dasselbe wie schwarzer Sesam?
Nein, und das ist wichtig, wenn du Sesam meiden musst. Schwarzkümmel ist Nigella sativa, botanisch mit dem Hahnenfuß verwandt. Sesam ist eine völlig andere Pflanze und ein deklarationspflichtiges Allergen. In diesem Oxymel ist kein Sesam.
Ist Alkohol enthalten?
Nein. Oxymel wird nicht vergoren, sondern angesetzt. Der Essig bringt die Säure mit, es entsteht kein Alkohol. Das ist auch der Unterschied zu Met: Met ist vergorener Honig, Oxymel ist Honig mit Essig.
Warum ist es unten dicker und oben dünner?
Weil nichts filtriert wird und sich das Gewürz absetzt. Vor jedem Gebrauch kräftig schütteln. Wenn du es nicht schüttelst, ist der
Anfang der Flasche mild und das Ende scharf.
Wie lange ist es haltbar?
Sehr lange. Unser Mindesthaltbarkeitsdatum wird bei richtiger Lagerung mit einem Jahr ab Abfüllung angegeben.
Wie lagere ich es?
Kühl und dunkel, auch nach dem Öffnen. Kein Kühlschrank nötig. Vor Wärme und direktem Licht schützen.
Kann ich damit kochen?
Ja, aber gib es am Ende dazu. Beim langen Mitkochen verlieren Ingwer und Pfeffer ihre Schärfe, und der Honig wird unnötig erhitzt.
Färbt es?
Ja, kräftig. Kurkuma färbt Schneidebretter, Fugen und helle Textilien. Auf Arbeitsplatten sofort abwischen.
Ist es scharf?
Spürbar, aber nicht brennend. Die Schärfe kommt von Ingwer und Pfeffer und baut sich im Rachen auf, statt vorn auf der Zunge zu
beißen.
Was ist der Unterschied zum Thymian-Oxymel?
Dieselbe Grundlage aus Honig und Apfelessig im selben Verhältnis, andere Gewürze. Das Thymian-Oxymel ist die ruhigere, herb-kräutrige Sorte und passt zu zarten Salaten und Käse. Dieses hier ist erdig und scharf und passt zu Ofengemüse, Suppen und Marinaden.
Zum Thymian-Oxymel
Ist Oxymel dasselbe wie Fire Cider?
Nein. Fire Cider ist ein Apfelessig-Ansatz mit Meerrettich, Knoblauch und Chili, meist ohne oder mit wenig Honig. Oxymel ist Honig und Essig.
Aufbewahrung: Kühl und dunkel lagern, vor Wärme
schützen. Vor Gebrauch schütteln.
Angesetzt und abgefüllt von Peter Rauscher, Bioimkerei Rauscher
in Augsburg-Inningen. 25 Bienenvölker, alle Standorte im Stadtgebiet.
Zertifiziert nach EU-Öko-Verordnung, DE-ÖKO-037.
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