Verdrängen Honigbienen Wildbienen? Nach heutigem Stand der Forschung: in Mitteleuropa nicht nachweisbar – in Ausnahmesituationen aber sehr wohl.

Honig- und Wildbienen nutzen dieselben Blüten, das ist unbestritten. Ein systematisches Review von 2026 fand diese Überlappung in 100 Prozent aller Studien, die danach gesucht haben. Aber nur 5 bis 12 Prozent dieser Studien haben je gemessen, ob Wildbienen deshalb weniger Nachkommen bekommen und nur ein Bruchteil davon fand tatsächlich einen negativen Effekt.1

Belegt ist eine Verdrängung dort, wo sehr viele Völker auf wenig Blüten treffen: auf Inseln, in Trockengebieten, in Regionen, in denen die Honigbiene gar nicht heimisch ist. Rund 69 Prozent aller Studien mit negativem Befund stammen von außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets.5 Für deutsche Kulturlandschaften fand die bislang gründlichste Untersuchung genau das Gegenteil: weder Artenzahl noch Häufigkeit der Wildbienen hingen von der Honigbienendichte ab.8

Der Rückgang der Wildbienen hat eine andere Ursache. Artenreiches Grünland ist in Deutschland seit den 1950er-Jahren um rund 85 Prozent zurückgegangen.45 Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Bienenvölker halbiert. Die beiden Kurven laufen in entgegengesetzte Richtungen.

Es war ein harmloser Beitrag. Eine gezeichnete Quittung, ausgestellt von „Deinem lokalen Bienenvolk“. Posten: Bestäubung deiner regionalen Obstbäume und Beeren – 0,00 €. Erhalt der heimischen Arten- und Pflanzenvielfalt – 0,00 €. 50.000 Flugkilometer für ein Glas Honig – 0,00 €. Gesamt: null. Darunter ein Stempel: Bezahlt!

Elf Kommentare später war klar, dass es um etwas anderes ging. „Imkerei ist kein Naturschutz“, schrieb der erste. „Imkerei ist kein Naturschutz. Ganz wichtig, dass alle das endlich verstehen“, der zweite. „Wir brauchen die wilden Insekten, keine Massentierhaltung!!“ der dritte. Und dazwischen, fast untergegangen, eine echte Frage: „Inwiefern tragen Honigbienen zum Erhalt der heimischen Flora und Fauna bei?“

Diese Frage verdient eine Antwort. Sie verdient sogar eine sehr ausführliche Antwort, weil sie inzwischen millionenfach gestellt wird — und weil die Antworten, die derzeit in Reichweite sind, überwiegend aus Reels, Shorts und TikToks bestehen, die eine komplizierte ökologische Frage in neunzig Sekunden erledigen.

Dieser Text versucht das Gegenteil. Er nimmt die Argumente der Kritiker ernst genug, um sie einzeln zu prüfen. Er zitiert die Studien, auf die sie sich berufen, im Original und verlinkt jede einzelne. Er benennt, wo die Kritik recht hat – und das ist an mehr Stellen der Fall, als es uns Imkerinnen und Imkern lieb sein dürfte. Und er benennt, wo aus einer Studie eine Behauptung wird, die die Studie nicht trägt.

Vorweg eine Offenlegung: Ich halte Bienen und verkaufe Honig. Das ist ein Interessenkonflikt, und ich verstecke ihn nicht. Ich bin allerdings auch seit vielen Jahren im Naturschutz aktiv und genau deshalb ärgert mich diese Debatte doppelt. Sie stellt zwei Anliegen gegeneinander, die ich beide teile.

Mein Umgang mit dem Interessenkonflikt besteht darin, jede Zahl nachprüfbar zu machen. Am Ende steht eine vollständige Quellenliste mit 48 Links. Wer misstrauisch ist, soll misstrauisch bleiben und nachlesen.

Wer führt die Kampagne gegen die Imkerei?

Die Auseinandersetzung ist nicht neu, und sie war lange eine seriöse Fachdebatte. Ihr Verlauf lässt sich ziemlich genau nachzeichnen.

2016 veröffentlicht der Weltbiodiversitätsrat IPBES seinen Bestäuberbericht. „Bienensterben“ wird zum Massenthema. 2017 erscheint die Krefelder Studie: In 63 deutschen Naturschutzgebieten ist die Biomasse fliegender Insekten über 27 Jahre um 76,7 % zurückgegangen.26 Das Wort „Insektensterben“ ist plötzlich überall. Was dahintersteckt, habe ich in einem eigenen Beitrag zum Bienensterben zusammengefasst.

Und mit dem Insektensterben kommt ein Missverständnis. Denn die öffentliche Vorstellung von „Bienensterben“ heftet sich an das Bild, das jeder kennt: die Honigbiene. Bienenpatenschaften werden verkauft, Firmen stellen sich Völker aufs Dach, Supermärkte drucken Bienen auf Verpackungen. 2019 unterschreiben 1,7 Millionen Menschen in Bayern das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ – ein Erfolg für den Artenschutz, aber unter einem Namen, der die falsche Biene meint.

Genau dagegen richtet sich der Widerspruch aus der Wissenschaft. Im Januar 2018 erscheint in Science ein kurzer, folgenreicher Kommentar von Jonas Geldmann und Juan P. González-Varo: „Conserving honey bees does not help wildlife.“15 Ihr Kernsatz – die Westliche Honigbiene ist eine kommerziell gehaltene Art, ihr Schutz ist Landwirtschaft, nicht Naturschutz – ist korrekt und war überfällig. Der Kommentar liefert außerdem das Bild, das die gesamte spätere Debatte prägt: Honigbienen als livestock, als Nutztier.

2018 und 2019 folgen die Studien, die seither in jedem Video auftauchen: Henry & Rodet zur Konkurrenz in einem südfranzösischen Schutzgebiet11, Ropars und Kollegen zur Stadtimkerei in Paris12, Valido und Kollegen zum Teide-Nationalpark auf Teneriffa13.

2024 wird die Debatte in Deutschland praktisch. Der NABU veröffentlicht im März einen Standpunkt, der eine Obergrenze von drei Völkern pro Quadratkilometer in Naturschutzgebieten und im Zwei-Kilometer-Umkreis fordert.31 Behörden verweigern Aufstellgenehmigungen. Im Juli titelt die Agrarpresse über „Honigbienenverbotszonen“; der Deutsche Imkerbund warnt vor Existenzverlusten, ein Wildbienengutachter hält die Zonen für gerechtfertigt.46

2025 und 2026 verlässt der Streit den Fachdiskurs. Er wandert auf YouTube, Instagram und TikTok. Der Kanal BEESTEEZ startet gemeinsam mit dem Hamburger Biologen Torben Schiffer eine Kampagne unter Titeln wie „Honigbienen-Haltung ist kein Naturschutz“ und einer Serie namens „Beespiracy“; sie erreicht ein Millionenpublikum und finanziert sich über Spenden.44 Naturschutz-Influencer greifen das Thema auf. Und in den Kommentarspalten von Imkereien stehen plötzlich Sätze, die vor fünf Jahren niemand geschrieben hätte.

Der entscheidende Sprung

Aus einer fachlich begründeten Forderung – keine oder wenige Völker in kleinen, empfindlichen Schutzgebieten – ist ein moralisches Pauschalurteil über eine ganze Tätigkeit geworden. Diesen Sprung hat keine Studie mitgemacht. Er ist in der Übersetzung passiert.

Was sagen die Studien über die Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen?

Um zu beurteilen, ob Honigbienen Wildbienen verdrängen, braucht es fünf Glieder einer Beweiskette. Jedes einzelne muss belegt sein. Die Debatte krankt daran, dass fast alle Belege am ersten Glied hängen.

1. Überlappung. Nutzen Honigbienen und Wildbienen dieselben Blüten? — 2. Verknappung. Führt die Anwesenheit von Honigbienen dazu, dass an diesen Blüten messbar weniger Nektar und Pollen übrig ist? — 3. Verhaltensänderung. Weichen Wildbienen daraufhin aus, sammeln sie seltener, fliegen sie weiter? — 4. Fitnessverlust. Bekommen sie deshalb weniger oder schwächere Nachkommen? — 5. Populationseffekt. Schrumpft dadurch ihre Population, verschwindet die Art vom Standort?

Erst Glied fünf wäre „Verdrängung“. Glied eins ist eine Selbstverständlichkeit: Natürlich besuchen zwei Bienenarten teilweise dieselben Blüten. Das ist keine Anklage, das ist Biologie.

Wie die Belege sich auf diese Kette verteilen, hat im Frühjahr 2026 ein systematisches Review von Karin Gratzer, David Becker und Robert Brodschneider im Journal of Apicultural Research ausgewertet – die aktuellste und methodisch sauberste Bestandsaufnahme, die es zu diesem Thema gibt. Ausgewertet wurden 83 Freilandstudien, 30 davon aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Honigbiene, 53 von außerhalb.1

1 · Ressourcenüberlappung nachgewiesen100 % (n = 75)
Jede Studie, die danach gesucht hat, hat sie gefunden.
2–3 · Nur indirekte Indikatoren gemessen82,1 %
Blütenbesuche, Sammelverhalten, Abundanz – kein Fitnessmaß.
4 · Direkte Fitness überhaupt untersucht4,8 – 12,0 %
Überleben, Fortpflanzung, Nachkommenzahl.
4b · Davon mit negativem Befund12,5 – 30,0 %
Bezogen auf alle 83 Studien: eine einstellige Zahl von Nachweisen.
5 · Populationseffekt / Artverdrängung belegtkeine Studie
Für Mitteleuropa existiert kein solcher Nachweis.

Dieses Bild ist kein Ausreißer. Es zieht sich durch alle großen Übersichtsarbeiten:

Review Umfang Befund
Mallinger, Gaines-Day & Gratton 2017
PLOS ONE
146 Studien
1900–2016
Konkurrenz: 53 % negativ, 28 % kein Effekt, 19 % gemischt. Aber: „most studies … documented the potential for impact … but did not measure direct effects on wild bee fitness, abundance, or diversity.“2
Wojcik et al. 2018
Environmental Entomology
19 experimentelle Studien Nur 7 maßen Reproduktionsfolgen, davon 6 negativ – überwiegend bei Hummeln. „Changes in foraging patterns do not indicate if any resultant fitness impacts are present over the long run.“6
Iwasaki & Hogendoorn 2022
Curr. Res. Insect Science
215 Artikel 64 % dokumentieren potenziell negative Effekte. Enthält jedoch Labor- und Modellstudien; die Prozentzahl ist nicht mit „64 % Verdrängungsnachweise“ gleichzusetzen.3
Arzt et al. 2023
Naturschutz u. Landschaftsplanung
57 Konkurrenzstudien 51 % negativ, 30 % gemischt, 19 % neutral. Entscheidend: rund 69 % der Studien mit negativem Befund stammen von außerhalb des heimischen Verbreitungsgebiets der Honigbiene.5
Pike & Rittschof 2025
Integrative & Comparative Biology
68 zusätzliche Gemeinschaftsstudien Nur ~13 % aller Konkurrenzstudien maßen Fitness. In der eigenen Auswertung zeigten 64 % keinen Zusammenhang mit irgendeinem Faktor; positive Zusammenhänge waren so häufig wie negative. „The data do not support a generalized and widespread negative relationship.“7

Wichtig ist, was daraus nicht folgt. Dass wenige Studien Fitnesseffekte gemessen haben, ist kein Beweis, dass es keine gibt. Es ist ein Beweis, dass wir es nicht wissen. Und die wenigen methodisch strengsten Arbeiten – die sieben Experimente bei Wojcik – neigen zum negativen Befund, insbesondere bei Hummeln.

Die österreichischen Autoren Gratzer und Brodschneider haben 2023 in einer ausführlichen deutschsprachigen Übersichtsarbeit denselben Punkt schärfer formuliert. Ihr Satz ist der wichtigste in dieser ganzen Debatte:

„Die Koinzidenz von geringer Wildbienen-Abundanz oder -Diversität mit dem häufigen Auftreten der Honigbiene ist in einigen hier diskutierten Studien aus Europa unbestritten dokumentiert. Allerdings findet sich in keiner der genannten Studien ein Beweis für einen kausalen Zusammenhang.“4

Und sie fügen eine Überlegung an, die in Videos nie vorkommt, weil sie die Richtung des Pfeils umdreht: Die Honigbiene ist ein robuster Generalist. Sie kommt mit ausgeräumten, blütenarmen Landschaften besser zurecht als eine spezialisierte Solitärbiene. Wo man viele Honigbienen und wenige Wildbienen zählt, kann die Dominanz der Honigbiene deshalb genauso gut das Symptom eines kaputten Lebensraums sein wie seine Ursache.

Frisst ein Bienenvolk so viel Pollen wie 100.000 Wildbienen?

Behauptung 01Rechnerisch richtig, biologisch unbelegt

„Ein einziges Bienenvolk frisst so viel Pollen, wie 100.000 Wildbienen zum Leben bräuchten.“

Woher der Satz stammt

Aus einer echten, seriösen Arbeit: James Cane und Vincent Tepedino, Conservation Letters 2017. Sie rechnen den saisonalen Pollenverbrauch eines Honigbienenvolks in „Solitärbienen-Äquivalente“ um und kommen auf rund 110.000 Individuen. 40 Völker in einer Wildlandschaft entsprächen demnach dem Pollenbedarf von vier Millionen Solitärbienen.14

Was die Quelle tatsächlich ist

Eine Umrechnung, keine Messung. Cane und Tepedino haben nicht beobachtet, dass irgendwo Wildbienen verschwunden wären. Sie haben eine Größenordnung ausgerechnet, um auf ein mögliches Risiko hinzuweisen – ausdrücklich als gauge, als Messlatte.

Die Rechnung setzt voraus, dass jedes Pollenkorn, das eine Honigbiene sammelt, sonst einer Wildbiene zugutegekommen wäre. Das setzt gleiche Flugradien voraus (sie unterscheiden sich um den Faktor zehn bis fünfzig), gleiche Blütenpräferenzen (sie unterscheiden sich fundamental), gleiche Flugzeiten (sie überschneiden sich nur teilweise) und eine Landschaft, in der Pollen der einzige limitierende Faktor ist (er ist es meistens nicht – es sind die Nistplätze). Der Schauplatz der Originalrechnung sind zudem nordamerikanische Wildlandschaften, in denen die Honigbiene eine eingeführte Art ist.

Die deutschen Zahlen

Ein Volk sammelt hierzulande 10–30 kg Pollen und 120–180 kg Nektar pro Jahr.31 Der NABU rechnet das ehrlicherweise selbst um: Das entspricht dem Pollenbedarf für etwa 44.070 Brutzellen der Roten Mauerbiene. Das ist eine große Zahl. Sie sagt nur nichts darüber aus, ob dieser Pollen der Mauerbiene tatsächlich gefehlt hat.

EinordnungAls Warnung für kleine, ressourcenarme Schutzgebiete ist die Rechnung legitim und nützlich. Als Beleg für Verdrängung in der mitteleuropäischen Normallandschaft taugt sie nicht – dafür ist sie nicht gemacht und dafür wird sie von ihren Autoren auch nicht angeboten.

Verdrängen Honigbienen Wildbienen? Was die Feldstudien zeigen

Behauptung 02In Extremfällen belegt, als Regel nicht

„Honigbienen verdrängen Wildbienen. Das ist wissenschaftlich bewiesen.“

Wo es Nachweise gibt – und wie diese Orte aussehen

Teneriffa, Teide-Nationalpark. Valido und Kollegen fanden nach Aufstellung von Völkern einen Rückgang der Bestäuber-Interaktionen um 10–18 %; 8 bis 13 Bestäuberarten verschwanden. Rahmenbedingungen: eine ozeanische Insel mit endemischer Hochgebirgsflora, die Honigbiene nicht heimisch, rund 400 Stöcke im 4-km-Radius, etwa 14 Stöcke/km².13

Côte Bleue, Südfrankreich. Henry & Rodet: In einem 5.700 ha großen Macchia-Gebiet wurden zur Rosmarinblüte bis zu 830 Völker in 28 Ständen aufgestellt – etwa 14,6 Völker/km² auf einer einzigen Massentracht. Ergebnis: Wildbienen-Vorkommen −55 %, Nektargewinn −50 %. Bemerkenswert: Auch die Honigbienen selbst verloren 44 % Nektar- und 36 % Pollenertrag. Es war also kein Verdrängungs-, sondern ein Übernutzungsszenario.11

Paris. Ropars und Kollegen fanden über drei Jahre negative Korrelationen zwischen Volksdichte und Wildbestäuber-Aktivität, bei 6,5 Völkern/km² stadtweit und bis zu 53 Völkern im Kilometerradius einzelner Untersuchungsflächen. Die Autoren schreiben selbst: „our study is correlative and does not provide direct evidences.“12

Und wo es keine gibt: Mitteleuropa

Kalkmagerrasen, Deutschland. Ingolf Steffan-Dewenter und Teja Tscharntke untersuchten 15 Kalkmagerrasen, erfassten 1.849 Wildbienen aus 98 Arten und 1.292 Brutzellen in 240 Nistkästen. Die Ressourcenüberlappung betrug 45,5 %. Das Ergebnis: „Neither species richness nor abundance of wild bees were negatively correlated with the density of honey bee colonies.“8

Lüneburger Heide. Anika Hudewenz und Alexandra-Maria Klein zählten Blütenbesuche an der Besenheide sowie Boden- und Stängelnester in Flächen mit und ohne Bienenstände. Wildbienen besuchten in der Nähe von Ständen weniger Blüten, und es gab weniger Stängelnister-Arten. Aber der Reproduktionserfolg – die Zahl der Nester – „was not affected by distance to honey-bee hives or their presence but by availability and characteristics of nesting resources.“9

Das ist der Punkt, an dem die Beweiskette in Mitteleuropa reißt: Das Verhalten ändert sich, die Fortpflanzung nicht.

Der Fairness halber gehört ein Gegenbefund derselben Forscherinnen dazu: In einem Käfigexperiment, in dem Rote Mauerbienen und Honigbienen auf engem Raum um dieselben Blüten konkurrieren mussten, zogen die Mauerbienen deutlich den Kürzeren.10 Das zeigt, dass Konkurrenz grundsätzlich wirken kann. Es zeigt nicht, dass sie es im Freiland tut – ein Käfig ist die denkbar ungünstigste Bedingung, weil genau das fehlt, was Wildbienen im Freiland rettet: die Möglichkeit auszuweichen.

Die geografische Verzerrung

Arzt und Kollegen haben sie beziffert: Rund 69 % der Studien mit negativem Befund stammen aus Nordamerika, Südamerika, Australien, Neuseeland oder von Inseln – also aus Regionen, in denen Apis mellifera eine eingeschleppte Art ist, die auf eine Flora und Fauna trifft, die sich nie an sie angepasst hat. In ihren Ursprungsgebieten (Frankreich, England, Israel, Deutschland) fanden sich häufiger keine signifikanten Effekte.5

Die Honigbiene in Deutschland ist keine invasive Art. Sie ist seit dem Ende der Eiszeit hier. Die heimische Flora ist teilweise an sie mitangepasst. Eine Studie von einer Vulkaninsel im Atlantik auf die Schwäbische Alb zu übertragen, ist derselbe Fehler, als würde man aus dem Verhalten von Kaninchen in Australien auf Kaninchen im Allgäu schließen.

EinordnungBelegt ist: Bei sehr hoher Volksdichte, in ressourcenarmen oder monotonen Landschaften und außerhalb des heimischen Areals kann die Honigbiene Wildbestäuber messbar zurückdrängen. Nicht belegt ist: dass dies in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft bei üblichen Dichten geschieht. Und nirgends belegt ist, dass daraus Artensterben folgt.

Ist die Honigbiene ein Nutztier oder ein Wildtier?

Behauptung 03Halbwahrheit – beide Seiten haben recht

„Die Honigbiene ist ein hochgezüchtetes Nutztier und kein natürlicher Bestandteil der heimischen Fauna.“

Was dafür spricht

Vieles. Die Dunkle Europäische Honigbiene, Apis mellifera mellifera, war die hier heimische Unterart. Sie wurde ab dem 19. Jahrhundert planmäßig durch Ligustica und später durch die Carnica ersetzt; in den 1970er-Jahren schloss die letzte deutsche Zuchtstation für die Dunkle Biene. In Deutschland gilt sie heute als praktisch verschwunden; nennenswerte Restpopulationen gibt es in der Schweiz (rund 15.000 Völker), Österreich, Irland und Russland.37 Was heute in deutschen Beuten sitzt, ist überwiegend Carnica oder Buckfast – gezüchtet auf Sanftmut, Schwarmträgheit und Ertrag.

Was dagegen spricht

Ebenfalls vieles. Apis mellifera ist eine in Europa, Afrika und Westasien heimische Wildart. Fabrice Requier und Kollegen haben 2019 in Trends in Ecology & Evolution ausdrücklich dafür plädiert, die wildlebenden Populationen der Art im Ursprungsgebiet als schutzbedürftig zu behandeln – sie schrumpfen unter Varroa-Druck, Lebensraumverlust und genetischer Vermischung.22

Und es gibt sie in Deutschland. Patrick Kohl und Benjamin Rutschmann wiesen 2018 in naturnahen Buchenwäldern – Nationalpark Hainich, Biosphärengebiet Schwäbische Alb – freilebende Honigbienenvölker in Schwarzspechthöhlen nach; Dichte mindestens 0,11–0,14 Völker/km², 7 % der untersuchten Höhlenbäume besetzt.20 Weltweit liegt die Dichte wildlebender Völker zwischen 0,1 und 24,2 pro km²; Europa bildet mit 0,26/km² das Schlusslicht aller Regionen.23

Die unbequeme Ergänzung

Diese wildlebenden Völker sind kein Beleg dafür, dass Honigbienen ohne Imker gut zurechtkämen. Ein Team um Patrick Kohl untersuchte 2023 ihre Winterverluste: Nur rund 16 % überlebten den Winter. Auffällig war, dass die Parasitenlast der gestorbenen Völker nicht höher lag als die der überlebenden. Ausschlaggebend waren geräumige, gut geschützte Nisthöhlen und das Nahrungsangebot in der Umgebung.21

EinordnungDer ehrliche Satz lautet: Die Honigbiene ist eine heimische Wildart, die wir überwiegend als Nutztier halten – und deren wildlebender Teil in Deutschland auf einem sehr niedrigen Niveau existiert. Wer nur „Nutztier“ sagt, blendet die Hälfte aus. Wer nur „Wildtier“ sagt, ebenfalls.

Gibt es in Deutschland zu viele Bienenvölker?

Behauptung 04Falsch für die Fläche, richtig für die Innenstadt

„Es gibt heute viel zu viele Bienenvölker. Der Imkerei-Boom überschwemmt die Landschaft.“

Die Gegenwart

2025 wurden in Deutschland rund 976.400 Bienenvölker gehalten – knapp 4 % weniger als im Vorjahr.35 Der Deutsche Imkerbund zählte 2024 137.223 Mitglieder mit 929.065 Völkern; hochgerechnet auf alle Halter etwa 143.000 Personen.36 96 % davon betreiben bis zu 25 Völker, weniger als 1 % imkert erwerbsmäßig. Auf die Fläche Deutschlands (357.592 km²) gerechnet ergibt das rund 2,7 Völker pro Quadratkilometer.

Die Vergangenheit

Und hier wird es interessant. Um 1900 wurden im Deutschen Reich 2.605.350 Völker gezählt.39 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es in Westdeutschland noch etwa zwei Millionen.41 Am präzisesten lässt sich das regional nachvollziehen: In Westfalen gab es 1954 rund 156.000 Völker, 2010 weniger als 38.000, 2022 wieder etwa 69.000.38

7,3Völker/km²
Westfalen 1954
1,8Völker/km²
Westfalen 2010
3,2Völker/km²
Westfalen 2022
2,7Völker/km²
Deutschland 2025

Der „Boom“, von dem geredet wird, ist eine Erholung von einem historischen Tiefstand. Diesen Tiefstand hat die Varroamilbe verursacht, die 1977 nach Deutschland kam. Die Honigbienendichte liegt heute bei etwa der Hälfte des Niveaus der 1950er-Jahre. In derselben Zeitspanne – zwischen 1950 und 2010, als die Völkerzahlen einbrachen – hat der Rückgang der Wildbienen seinen Lauf genommen. Die beiden Kurven laufen in entgegengesetzte Richtungen.

Wo die Behauptung stimmt

In der Stadt. Die Zahl der Imkerinnen und Imker in Berlin hat sich zwischen 2005 und 2022 mehr als verdreifacht.30 Bei geschätzt rund 11.000 Völkern auf 891 km² Stadtfläche wären das etwa 12 Völker/km² – ein Vielfaches des Bundesschnitts, und rechnerisch noch mehr, wenn man nur die tatsächlich beflogene Grünfläche zugrunde legt. Für 14 Schweizer Städte haben Casanelles-Abella und Moretti das durchgerechnet: von 6,48 Stöcken/km² (2012) auf 8,1 (2018), Median-Zunahme 69 %. Bei realistisch angesetzter Tragfähigkeit der Grünflächen war diese in allen vierzehn Städten überschritten.29

Einordnung„Zu viele Bienen in Deutschland“ ist falsch. „Zu viele Bienen auf zu wenig Grünfläche in manchen Innenstädten“ ist richtig – und dieser Satz beschreibt ein Problem, das die Stadtimkerei selbst lösen müsste, nicht die Imkerei insgesamt.

Übertragen Honigbienen Krankheiten auf Wildbienen?

Behauptung 05Realer Mechanismus, unklare Folgen

„Honigbienen übertragen ihre Krankheiten auf Wildbienen und rotten sie damit aus.“

Was stark belegt ist

Dies ist der am besten unterfütterte Einzelvorwurf. Matthias Fürst und Kollegen zeigten 2014 in Nature, dass Flügeldeformationsvirus (DWV) und Nosema ceranae bei Hummeln vorkommen, dass sympatrische Honigbienen und Hummeln dieselben Virusstämme tragen und dass die Prävalenz bei Honigbienen höher ist – ein starkes Indiz für die Übertragungsrichtung.16

Noch deutlicher wurde es 2024: Corina Maurer und Kollegen untersuchten 19 Wildbestäuberarten in zwölf Schweizer Landschaften und fanden, dass die Viruslast in gehaltenen Honigbienen im Schnitt mehr als zehnmal höher war als in Wildbestäubern. Stärkster Prädiktor für die Viruslast einer Wildbienenart: die Ressourcenüberlappung mit Honigbienen. Blüten sind die Türklinke.19

Was offen ist

Ob daraus tatsächlich Schaden entsteht. Die Arbeitsgruppe um David Evans in St Andrews hat DWV mit genetisch markierten Varianten getestet: In injizierte Hummelpuppen replizierte das Virus – aber die Fütterung von bis zu 10⁸ Genomäquivalenten pro Hummel führte zu keiner Infektion. Ganze Nester wurden vier bis sechs Wochen exponiert, ohne einen einzigen positiven Befund. Keine der geschlüpften Hummeln zeigte deformierte Flügel. Die für eine orale Infektion nötigen Virusmengen liegen weit über dem, was je in Pollenproben aus der Umwelt gemessen wurde. Fazit der Autoren: „a route for productive DWV spillover to bumble bees from infected honey bees remains to be determined.“17

Bei Solitärbienen sieht es ähnlich aus: Schauer und Kollegen konnten 2023 zeigen, dass sich DWV-A in der Roten Mauerbiene nicht messbar vermehrt – die Titer sanken sogar leicht ab.18 Und Mallinger fand in ihrem Review: Von 27 Pathogenstudien dokumentierten zwei eine tatsächliche Übertragung von gehaltenen auf wilde Bienen.2

Gratzer und Brodschneider mahnen zusätzlich: Nachgewiesene Infektionen verlaufen bei Wildbienen oft symptomfrei; über ihre Auswirkungen ist wenig bekannt.4

Der entscheidende Punkt

Dass DWV überhaupt zur Epidemie wurde, liegt an der Varroamilbe – einem eingeschleppten Parasiten, der das Virus in einer Weise überträgt, für die es nie gebaut war. Daraus folgt etwas sehr Konkretes: Konsequente, fachlich saubere Varroabehandlung ist Wildbienenschutz. Maurer und Kollegen formulieren genau das als Empfehlung – neben der zweiten, blütenreiche Lebensräume zu erhalten, weil diese die Viruslast bei Wildbestäubern senken. Wie wir das in unserer Imkerei machen, steht im Beitrag zur totalen Brutentnahme gegen die Varroamilbe.

EinordnungDer Mechanismus existiert und ist ernst zu nehmen. Der Ausrottungs-Vorwurf ist unbelegt. Und das Bemerkenswerte an diesem Argument ist: Es ist das einzige, aus dem sich für Imkerinnen und Imker eine sofort umsetzbare Handlungsanweisung ergibt – behandle deine Völker richtig.

Ist Imkerei Naturschutz?

Behauptung 06Der Satz stimmt. Die Schlussfolgerung nicht.

„Imkerei ist kein Naturschutz.“

Zustimmung

Der Satz ist richtig, und er sollte nicht mehr bestritten werden. Ein Bienenvolk aufzustellen ist keine Naturschutzmaßnahme. Es rettet keine gefährdete Art, es stellt keinen Lebensraum wieder her, es verbessert keine Rote Liste. Wer Bienen hält, betreibt eine Form der Landwirtschaft, und das ist völlig in Ordnung, solange man es nicht anders nennt.

Bemerkenswerterweise sagt das auch der Deutsche Imkerbund selbst nicht mehr anders. In der ZDF-Berichterstattung vom August 2025 verweist der Verband auf Monokulturen, Pestizide und Flächenversiegelung als die eigentlichen Bedrohungen – nicht auf die eigene Bedeutung für den Artenschutz.41

Der Einwand

Der Satz wird aber selten für sich benutzt. Er wird benutzt, als hieße er: „Imkerei schadet der Natur.“ Das ist ein anderer Satz, und er braucht andere Belege – nämlich die, die es für Mitteleuropa nicht gibt.

Was Imkerinnen und Imker tatsächlich beitragen

Melissa Oddie und Bjørn Dahle haben 2024 die Argumente zusammengetragen: Imkerei liefert Daten über Blühangebote und Landschaftszustand, sie erzeugt in vielen Ländern ökonomische Anreize für Habitatschutz, und – das wichtigste Argument – sie stellt die politische Klientel, ohne die es das europäische Neonikotinoid-Verbot nicht gegeben hätte.42 Die Honigbiene ist eine charismatische Art. Sie zieht Aufmerksamkeit auf sich, die anschließend Wildbienen zugutekommt. Das ist kein Naturschutz, aber es ist auch nicht nichts. Was wir konkret tun, steht unter Imkerei und Naturschutz und in unserer Betriebsweise.

Und das echte Problem

Bee washing. Unternehmen, die sich Völker aufs Firmendach stellen und das als Biodiversitätsengagement verkaufen. Bienenpatenschaften, die suggerieren, man rette damit Wildbienen. Das ist ein reales, verbreitetes Problem – und es ist ein Marketingproblem, kein Imkereiproblem. Die Antwort darauf ist ehrliche Kommunikation, nicht die Abschaffung der Bienenhaltung.

EinordnungZustimmen, wo der Satz stimmt. Und dann darauf bestehen, dass der zweite Satz separat belegt werden muss.

Sind Honigbienen schlechte Bestäuber?

Behauptung 07Studie richtig zitiert, Schluss umgedreht

„Honigbienen bestäuben nur bei 14 Prozent der Kulturpflanzen wirksam. Man braucht sie gar nicht.“

Die Quelle ist echt

Lucas Garibaldi und über fünfzig Koautoren, Science 2013: 600 Felder, 41 Kulturpflanzensysteme, 19 Länder. Ergebnis: Der Fruchtansatz stieg mit dem Besuch wildlebender Insekten in 100 % der Systeme signifikant an, mit dem Besuch von Honigbienen nur in 14 %. Pro zusätzlichem Besuch waren Wildinsekten doppelt so wirksam.24

Was die Autoren daraus folgern

Nicht, dass man Honigbienen nicht brauche. Sondern wörtlich, dass Honigbienen die Bestäubung durch Wildinsekten „supplement, rather than substitute for“ – ergänzen, nicht ersetzen. Und sie fordern ein „integrated management of both honey bees and diverse wild insect assemblages“.

Die Studie ist ein sehr starkes Argument dafür, Wildbestäuber zu schützen. Sie ist kein Argument gegen die Imkerei. Sie ist ein Argument gegen die Vorstellung, man könne Wildbestäuber durch Honigbienen ersetzen – eine Vorstellung, die vor allem in der industriellen Landwirtschaft Nordamerikas verbreitet ist. Warum Bestäubung überhaupt so wichtig ist, haben wir separat erklärt.

Die Nuance, die alles verschiebt

David Kleijn und Kollegen werteten 2015 in Nature Communications 90 Untersuchungen auf 1.394 Feldern aus. Zwei Befunde sind für unsere Debatte entscheidend: Erstens leisten nur rund 2 % der regionalen Wildbienenarten etwa 80 % aller Bestäubungsbesuche an Kulturpflanzen. Zweitens – und das ist der Punkt – machten in vier Ländern mit Roter Liste die gefährdeten Arten zwar 44 % aller Arten aus, stellten aber nur 0,3 % der auf Kulturen beobachteten Individuen.25

Anders gesagt: Die seltenen, spezialisierten Wildbienen, um die es im Artenschutz geht, sind fast nie dort, wo Honigbienen sind. Sie sitzen nicht im Raps und nicht im Apfel. Sie leben an Wildpflanzen, in speziellen Habitaten, oft an eine einzige Pflanzengattung gebunden, und ihr limitierender Faktor ist in aller Regel der Nistplatz, nicht das Nahrungsangebot einer Massentracht.

EinordnungDie 14-Prozent-Zahl stimmt und ist wichtig. Sie besagt, dass Wildbestäuber unersetzlich sind – nicht, dass Honigbienen überflüssig wären. Die Bestäubungsleistung der deutschen Imkerei wird in einer Studie der Universität Hohenheim auf rund 1,6 Mrd. Euro jährlich beziffert; der Selbstversorgungsgrad bei Honig lag 2025 bei 45 %.35

Ist Imkerei Massentierhaltung?

Behauptung 08Einzelpunkte diskutabel, der Begriff falsch

„Imkerei ist Massentierhaltung und Tierquälerei.“

Die Vorwürfe im Einzelnen

Tierschutzorganisationen listen im Wesentlichen: Zucht auf Leistung und Sanftmut, Käfigen von Königinnen, Flügelstutzen, gezieltes Töten alter Königinnen, Brechen von Weiselzellen, vollständige Honigentnahme, Zuckerfütterung, Säurebehandlung gegen Varroa, künstliche Besamung.47

Was daran zutrifft

Ein Teil dieser Praktiken existiert. Königinnenwechsel ist Routine. Zuckerfütterung nach der Ernte ist Standard. Künstliche Besamung wird in der Zucht eingesetzt. Flügelstutzen wird von einer Minderheit praktiziert und von vielen Verbänden und Bio-Verbänden abgelehnt – zu Recht, denn hier gibt es keinen guten Grund. Wer als Imkerin oder Imker diese Punkte einfach abtut, macht es sich zu leicht; über Standards lässt sich streiten, und man sollte es tun. Warum wir nach Bio-Richtlinien arbeiten, steht unter Warum Bio?

Was am Begriff nicht stimmt

„Massentierhaltung“ beschreibt Enge, Bewegungseinschränkung und Besatzdichte. Nichts davon lässt sich auf ein Bienenvolk anwenden. Ein Volk ist ein Superorganismus; die einzelnen Bienen fliegen frei, wählen ihre Trachtquellen selbst, verlassen den Stock, wann sie wollen, und können schwärmen. Es gibt keine Analogie zur Besatzdichte, weil es keinen Stall gibt, aus dem die Tiere nicht herauskönnen. Die 96 % der deutschen Imkerinnen und Imker mit bis zu 25 Völkern betreiben in keiner sinnvollen Lesart des Wortes „Massentierhaltung“.

Die ernsthafte ethische Frage – empfinden Bienen etwas, und wenn ja, was folgt daraus für unseren Umgang mit ihnen? – ist wissenschaftlich offen und wird derzeit tatsächlich erforscht. Sie betrifft das Wie der Bienenhaltung, nicht das Ob.

Und ein struktureller Hinweis

Dieses Argument hat mit dem Wildbienen-Argument nichts zu tun. Es ist eine Tierethik-Frage, jenes ist eine Ökologie-Frage. Sie werden trotzdem regelmäßig in derselben Botschaft gebündelt – nicht weil sie einander stützen, sondern weil sie in dieselbe Richtung zeigen. Das ist rhetorisch wirksam und argumentativ unsauber.

EinordnungÜber einzelne Praktiken kann und soll man streiten. Der Sammelbegriff „Massentierhaltung“ ist sachlich falsch und dient dazu, eine ökologische Debatte moralisch aufzuladen.

Hilft der Bücherskorpion gegen die Varroamilbe?

Behauptung 09Berechtigte Fragen, unbelegte Antworten

„Magazinbeuten sind Folterkammern. In der Natur regelt der Bücherskorpion die Varroa – der Imker hat das Problem selbst geschaffen.“

Wer das vertritt

Diese Thesen stammen im Kern von Torben Schiffer, der ab 2016 im Umfeld des HOBOS-Projekts der Universität Würzburg Baumhöhlenvölker mit Magazinbeuten verglichen hat und sie in Büchern, Vorträgen und seit 2025 in Videokooperationen vertritt. Seine Argumente: Baumhöhlen sind dickwandig, wärmegedämmt und feuchtepuffernd; Bienen kleiden sie mit Propolis aus, das als „Hausapotheke“ wirke; die große Magazinbeute erzwinge eine unnatürliche Volksgröße und damit mehr Brut und mehr Milben; und der Bücherskorpion (Chelifer cancroides), ein natürlicher Bewohner von Baumhöhlen, fresse Varroamilben, komme aber in moderner Beutenausstattung nicht mehr vor.48

Was daran gut belegt ist

Mehr, als viele Imker zugeben. Die thermischen Eigenschaften der Beute sind ein aktives Forschungsfeld, und Baumhöhlen sind tatsächlich besser gedämmt. Propolis-Auskleidungen haben nachweisbare Effekte auf die soziale Immunabwehr. Und Schiffer hatte in einem zentralen Punkt recht, bevor es andere hatten: Es gibt in Deutschland wildlebende Honigbienenvölker. Das haben Kohl und Rutschmann dann sauber belegt.20 Die Grundfrage – ist die Standardbeute wirklich das Optimum für die Bienengesundheit? – ist legitim und unterforscht.

Was nicht belegt ist

Der Bücherskorpion als Varroalösung. Die Belegkette ist dünn und wird regelmäßig überdehnt. Was es gibt: van Toor und Kollegen wiesen 2015 per PCR nach, dass Bücherskorpione in Bienenstöcken Varroamilben tatsächlich fressen.34 Und ein Forschungsprojekt einer Hannoveraner Schule mit Förderung der Robert Bosch Stiftung fand 2018 an zwölf Standorten einen geringeren natürlichen Milbenfall in Holzbeuten mit Bücherskorpionen (65,1 pro Woche) als in Holzbeuten ohne (108,7), signifikant auf dem 5-Prozent-Niveau (p = 0,048).33

Was daran problematisch ist: Der natürliche Milbenfall ist ein Hilfsmaß, keine Messung der Milbenpopulation im Volk – und Bücherskorpione fressen bevorzugt heruntergefallene Milben, die dem Vermehrungszyklus ohnehin entzogen sind. Schon Örösi-Pál stellte 1939 fest, dass Bücherskorpione praktisch nie auf den Waben angetroffen werden, also nicht dort, wo die Milben sind. Eine unabhängige Replikation, die eine Varroakontrolle auf Volksebene zeigt, existiert bis heute nicht. Der kommerzielle Verkauf von Bücherskorpionen mit Wirkversprechen ist von der Datenlage nicht gedeckt.

Was der Rechenprobe nicht standhält

In der Kampagne kursieren Zahlen zum Nektarverbrauch, die sich leicht prüfen lassen. Ein Volk sammelt in Deutschland 120–180 kg Nektar im Jahr.31 Eine Million Völker kommen damit auf 120.000 bis 180.000 Tonnen. Selbst wenn man großzügig mit rohem, unverdicktem Nektar rechnet, landet man in der Größenordnung von einigen hunderttausend Tonnen – nicht bei einer Million Tonnen und nicht beim Zwanzigfachen dessen, was eine Baumhöhle verbraucht. Wer solche Zahlen ungeprüft weitergibt, verliert das Recht, anderen Unwissenschaftlichkeit vorzuwerfen.

Und die unbehandelte Kontrollgruppe

Die Vorstellung, unbehandelte Völker regelten das schon selbst, hat eine harte empirische Grenze: Freilebende Völker in deutschen Wäldern überleben den Winter zu rund 16 %.21 Diese Population erhält sich nicht selbst – sie wird laufend durch Schwärme aus Imkereien aufgefüllt. Eine „wilde“ Honigbienenpopulation ohne Imkerei gäbe es in dieser Landschaft derzeit nicht.

EinordnungDie Fragen sind gut, die Sicherheit ist das Problem. Beutenklima gehört erforscht. Der Bücherskorpion ist ein faszinierender Stockbewohner und kein Varroamittel. Und wer die Standardimkerei als „Folterkammer“ bezeichnet, hat den Bereich der überprüfbaren Aussagen verlassen.

Sterben die Wildbienen wegen der Imkerei?

Behauptung 10Falsch – und die folgenreichste Behauptung

„Die Wildbienen sterben, weil es so viele Imker gibt.“

Der Befund

Die Rote Liste bewertet 557 deutsche Wildbienenarten. Rund 48 % gelten als gefährdet oder ausgestorben, nur etwa 37 % als ungefährdet.27 Das ist eine Katastrophe, und sie ist unbestritten.

Die Ursachen

Sie sind ebenfalls unbestritten, und sie stehen in denselben Dokumenten, aus denen die Kritiker ihre Zahlen holen. Das Rote-Liste-Zentrum nennt Lebensraumverlust und den Verlust von Nahrungs- und Nistressourcen. Ein Vergleich von Vegetationsaufnahmen der 1950er- und 60er-Jahre mit rund 1.000 wiederholt untersuchten Flächen ergibt: artenreiches Grünland auf frischen bis feuchten Böden ist um rund 85 % zurückgegangen; die Ackerwildkräuter bedecken noch knapp 5 % der Fläche von damals; die Zahl der Pflanzenarten im Ackerinneren sank um 71 %.45

Die Krefelder Studie fand −76,7 % Insektenbiomasse über 27 Jahre und benennt als plausible Ursache „agricultural intensification (e.g. pesticide usage, year-round tillage, increased use of fertilizers)“. Honigbienen oder Imkerei kommen im gesamten Artikel nicht vor.26

Für die Heidegebiete – ausgerechnet dort, wo der Konflikt am schärfsten geführt wird – nennt das Institut für Bienenkunde Celle den atmosphärischen Stickstoffeintrag als „wesentlichste und real belegbare Bedrohung“ und ausdrücklich nicht die Konkurrenz zwischen Bienenarten.32

Wie tückisch der Verlust genau ist, hat eine britische Arbeitsgruppe um Mathilde Baude 2016 in Nature gezeigt. Sie rekonstruierte das Nektarangebot Großbritanniens seit den 1930er-Jahren: erst ein Rückgang um 32 % bis 1978, dann ab 1998 eine Erholung um bis zu 51 %. Nur: Die Menge kam zurück, die Vielfalt nicht. 2007 lieferten vier Pflanzenarten mehr als die Hälfte des gesamten britischen Nektars.28 Für eine Honigbiene ist das eine gute Nachricht. Für eine Wildbiene, die auf eine einzige Gattung spezialisiert ist, ist es keine. Welche Pflanzen wirklich etwas bringen, steht in unserem Beitrag zum Paradox der Bienenweide.

−85 %artenreiches Grünland
seit den 1950ern
−76,7 %Insektenbiomasse
in 27 Jahren
−71 %Pflanzenarten
im Ackerinneren
48 %der Wildbienenarten
gefährdet o. ausgestorben

Der Nistplatz

Was in der Konkurrenzdebatte fast völlig fehlt: Für die meisten Wildbienen ist nicht Nahrung, sondern der Nistplatz der Engpass. Hudewenz und Klein fanden genau das – der Fortpflanzungserfolg hing an den Nistressourcen, nicht am Abstand zum Bienenstand.9 Dazu kommt der Aktionsradius: Antonia Zurbuchen und Kollegen zeigten, dass nur wenige Individuen kleiner Solitärbienen überhaupt in der Lage sind, größere Distanzen zu fliegen; als Faustregel für Blühstreifen gilt ein Abstand von etwa 150 m zum Nistplatz.40 Eine spezialisierte Art, deren Wirtspflanze nicht in wenigen hundert Metern Umkreis wächst, ist verloren – völlig unabhängig davon, ob nebenan ein Bienenstand steht.

Die Zeitachse

Und schließlich: Der Zusammenbruch der Wildbienenfauna hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattgefunden – exakt in der Zeit, in der die Zahl der Honigbienenvölker in Deutschland von rund zwei Millionen auf unter eine Million fiel. Wenn Honigbienendichte die treibende Größe wäre, hätte sich die Wildbienenfauna in diesen Jahrzehnten erholen müssen. Sie hat das Gegenteil getan.

EinordnungDiese Behauptung ist nicht nur falsch. Sie ist die schädlichste der zehn, weil sie eine Debatte über Landnutzung, Düngung, Pestizide und Flächenverbrauch in eine Debatte zwischen zwei Gruppen verwandelt, die beide dasselbe wollen.

Wo schadet Imkerei tatsächlich? Sechs berechtigte Kritikpunkte

Ein Text, der nur widerlegt, ist keine Analyse, sondern eine Verteidigungsrede. Deshalb hier, so präzise wie möglich, die Punkte, an denen die andere Seite recht hat – und an denen wir Imkerinnen und Imker uns bewegen müssen.

1. Die Städte sind ein echtes Problem

Es gibt keinen guten Grund, warum die Volksdichte in einer Innenstadt das Vier- bis Fünffache des Bundesdurchschnitts betragen sollte. Die Tragfähigkeitsrechnung für die Schweizer Städte ist methodisch angreifbar – die Autoren räumen selbst ein, dass sie alle Landnutzungstypen gleich behandeln und Wildbienenreaktionen nicht messen29 – aber die Richtung stimmt, und in Paris hat Ropars zumindest eine konsistente Korrelation gefunden. Die Empfehlungen des internationalen Autorenteams um Casanelles-Abella von 2026 sind vernünftig und richten sich zuerst an die Stadtimkerei selbst: Blühangebot verbessern, Stockdichte begrenzen, ungeeignete Standorte ausschließen, Tragfähigkeit bestimmen, Bienengesundheit kontrollieren, Ausbildung und Verhaltenskodizes über die Vereine.30

2. Kleine Schutzgebiete sind ein Sonderfall

Deutsche Naturschutzgebiete sind im Mittel etwa 3 km² groß und machen rund 5 % der Landesfläche aus.31 Ein einziger Bienenstand befliegt ein solches Gebiet vollständig. Wenn dort eine der letzten Populationen einer spezialisierten Art sitzt, ist das Vorsorgeprinzip die richtige Antwort – auch ohne Kausalitätsnachweis. Die NABU-Forderung von maximal drei Völkern pro km² in Naturschutzgebieten und im 2-km-Umkreis liegt exakt im Bereich der Werte, die auch Steffan-Dewenter & Tscharntke (3,1/km²) und Torné-Noguera (3,5/km²) diskutieren. Das ist keine Willkür, und es ist kein Angriff auf die Imkerei. Für die 95 % der Landesfläche außerhalb dieser Gebiete leitet der NABU keine Obergrenze ab.

3. Wanderimkerei auf eine einzige Massentracht

Der Fall Henry & Rodet ist die relevanteste Warnung für Deutschland – nicht wegen des Rosmarins, sondern wegen der Struktur: Hunderte Völker, konzentriert auf eine kurze, artenarme Blühphase, in einer Landschaft ohne Ausweichmöglichkeiten. Die deutsche Entsprechung ist die Heidetracht im August und September. Genau da sitzen die Heidespezialisten – Heide-Sandbiene, Heidekraut-Seidenbiene –, die auf Calluna angewiesen sind und keine Alternative haben. Dass die Heideimkerei jahrhundertealt ist und diese Arten dort überlebt haben, ist ein starkes Argument gegen Panik.32 Es ist kein Argument dafür, die Völkerzahl beliebig zu erhöhen.

4. Bee washing hat die Debatte vergiftet

Wenn ein Konzern Bienenpatenschaften als Biodiversitätsbeitrag verkauft, wenn eine Kampagne namens „Rettet die Bienen“ mit einem Honigbienenfoto wirbt und dabei Wildbienen meint, wenn Bienenhotels aus dem Baumarkt als Naturschutz verkauft werden – dann entsteht genau der Frust, aus dem sich die heutige Kampagne speist. Dieser Frust ist verdient. Er richtet sich nur an die falsche Adresse.

5. Die Imkerei ist das Erregerreservoir

Auch wenn der Schaden bei Wildbienen unbewiesen ist: Die hohe Viruslast sitzt nachweislich in gehaltenen Völkern.19 Wer schlecht oder gar nicht gegen Varroa behandelt, produziert diese Last. Das ist keine Privatsache. Es ist ein Punkt, an dem Imkerinnen und Imker eine überprüfbare Verantwortung tragen – und in der Diskussion um Aufstellverbote das stärkste Gegenargument aus der Hand geben, wenn sie ihr nicht nachkommen. Dasselbe gilt für die Anzeigepflicht bei Amerikanischer Faulbrut.

6. Und ein unbequemer Verdacht

Es ist möglich, dass die Konkurrenz-Effekte in Mitteleuropa real, aber bisher schlicht nicht gemessen sind. Die Datenlage ist dünn, nicht negativ. Gratzer und Brodschneider nennen den Grund: Es gibt im deutschsprachigen Raum kaum honigbienenfreie Flächen für Kontrollversuche, und die Daten zu Standort und Zahl der Völker sind „für wissenschaftliche Zwecke mangelhaft“.4 Wer wirklich sicher sein will, muss experimentieren – und genau das passiert gerade. Das bayerische Projekt BeeCom der LWG legt von 2024 bis 2026 an zwölf Waldstandorten Wildbienen-Basislinien an, stellt im zweiten Jahr drei Völker pro Standort auf und im dritten zehn, um die Tragfähigkeitsschwelle zu finden.43 Das ist das Design, das die Frage für Mitteleuropa beantworten kann. Es gibt bisher genau eines davon.

Der ehrliche Zwischenstand

Wir wissen: Überlappung ja, Verhaltensänderung ja, Fitnesseffekte in Extremsituationen ja, Populationseffekte in Mitteleuropa unbekannt, Artensterben durch Honigbienen nirgends belegt.

Daraus folgt nicht „alles gut“. Daraus folgt: örtlich regeln, wo Risiko plausibel ist, und den Rest der Energie auf die Ursachen richten, die messbar wirken.

Warum funktioniert die Kampagne so gut?

Die interessantere Frage ist nicht, ob die Behauptungen stimmen. Sie ist, warum sie sich so mühelos verbreiten – während die Richtigstellung jedes Mal 5.000 Wörter braucht.

Die Zahl ohne Ort. „110.000 Wildbienen“ ist eine Zahl, die man sich merkt. „In nordamerikanischen Wildlandschaften, wo die Honigbiene eingeführt ist, als Größenordnungsabschätzung unter Annahme vollständiger Ressourcenkonkurrenz“ ist keine. Die Zahl reist, der Kontext bleibt zurück.

Der Ortswechsel. Teneriffa, Südfrankreich, Australien, Paris – die stärksten Befunde stammen von Orten, die mit einer schwäbischen Streuobstwiese ungefähr so viel gemein haben wie ein Korallenriff. In der Übersetzung fällt der Ort weg. Übrig bleibt: „Studien zeigen.“

Die Kausalitätsverschiebung. Aus „wo viele Honigbienen sind, sind wenige Wildbienen“ wird „Honigbienen verdrängen Wildbienen“. Der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen ist der Unterschied zwischen einer Beobachtung und einer Anklage. Er verschwindet in jeder Verkürzung.

Das Bündeln. Nahrungskonkurrenz, Krankheitsübertragung, Tierethik, Beutenbau, Veganismus, Kritik am Bee washing – sechs voneinander unabhängige Themen mit sechs voneinander unabhängigen Evidenzlagen werden zu einer Botschaft zusammengezogen. Wer eines davon widerlegt, hat nichts gewonnen, weil sofort das nächste nachrückt.

Das Tempo. In neunzig Sekunden lassen sich zwanzig Behauptungen unterbringen. Jede einzelne zu prüfen kostet eine Stunde. Diese Asymmetrie ist kein Nebeneffekt des Formats, sie ist das Format.

Die moralische Aufladung. „Massentierhaltung“, „Folterkammer“, „Ausbeutung“ – Wörter, die keine Prüfung erlauben, sondern eine Haltung erzwingen. Wer widerspricht, verteidigt scheinbar Tierquälerei. Das ist der Punkt, an dem eine Sachdebatte endet.

Und das Geschäftsmodell. Empörung ist reichweitenstark und damit monetarisierbar – über Spenden, Werbung, Buchverkäufe, alternative Beutensysteme, Bücherskorpione im Onlineshop. Das ist keine Verschwörung; es ist die normale Ökonomie sozialer Medien. Aber sie erzeugt einen strukturellen Anreiz zur Zuspitzung, und man sollte ihn beim Namen nennen.

Eine notwendige Unterscheidung

Nicht jeder Kritiker ist ein Kampagnenmacher. Der Berliner Wildbienengutachter Christoph Saure, der Hymenopterologe Christian Schmid-Egger, die Fachleute des NABU, die Autorinnen und Autoren der zitierten Studien – sie stellen präzise, begrenzte Forderungen für präzise, begrenzte Situationen, und sie haben in ihrem Bereich meistens recht. Ihre Sätze werden von einer Verstärkerschicht aufgegriffen, entkontextualisiert und zu einem Generalurteil verdichtet, das die Urheber selbst so nicht formulieren würden.

Wer die Debatte gewinnen will, muss diese beiden Ebenen trennen: mit der ersten reden, die zweite widerlegen. Wer beide in einen Topf wirft, macht denselben Fehler wie die Gegenseite.

Wie sieht die Debatte vor Ort aus? Ein Realitätscheck aus Augsburg

Bis hierher ging es um Studien. Jetzt geht es um den Wald vor meiner Haustür – und um eine Beobachtung, die mir die Debatte jedes Mal von Neuem absurd erscheinen lässt.

Das Management-Paradox

Im Augsburger Stadtwald laufen Beweidungsprojekte mit Przewalski-Pferden. Ihr Zweck ist, offene Lebensräume zu erhalten, die selbst erst durch historische menschliche Nutzung entstanden sind – Heiden und Magerrasen, die ohne Beweidung zuwachsen würden. Das ist gute, sinnvolle Landschaftspflege, und ich unterstütze sie.

Bemerkenswert ist nur die Asymmetrie in der Bewertung. Für dieses Biotop akzeptieren wir hunderte Kilogramm schwere Hufe, Bodenverdichtung und Stickstoffeintrag durch Kot – alles messbare Eingriffe. Die Honigbiene dagegen, die schwerelos auf einer Blüte landet und dabei bestäubt, wird als ökologische Gefahr diskutiert.

Hunde, Harvester und Bienen

Während über Honigbienen-Verbotszonen gesprochen wird, laufen durch dieselben Flächen jährlich tausende Hunde, hinterlassen ihre Ausscheidungen und verschrecken Wildtiere. Parallel wird der Wald mit tonnenschweren Harvestern bewirtschaftet. Wer die Honigbiene als das Problem identifiziert, aber industrielle Forstwirtschaft und Massentourismus im selben Wald als unproblematisch einstuft, hat den Blick für das ökologische Ganze verloren.

Das ist kein Argument dafür, Bienenvölker überall aufzustellen. Die Punkte aus dem vorigen Kapitel gelten weiter. Es ist ein Argument dafür, Verhältnismäßigkeit zu wahren – und die Frage zu stellen, warum ausgerechnet der kleinste Eingriff die größte Aufmerksamkeit bekommt. Wo unsere Völker stehen und warum, steht unter Unsere Standorte.

Harvester verdichten den Waldboden und zerstörnen wertvolle Natur. Aber die Honigbienen sollen das Problem sein?
Bienenwabe in der Hand mit Bienen

Was Imkerinnen und Imker jetzt tun sollten

Dichte kennen und respektieren. Wie viele Völker stehen im 3-km-Umkreis? Die meisten wissen es nicht. Wer es nicht weiß, sollte keine weiteren aufstellen. In Ballungsräumen gilt: nicht in den Hotspot hinein erweitern.

Schutzgebiete freihalten. Keine Völker in kleinen Naturschutzgebieten, keine Wanderung auf die eine späte Massentracht, an der die Spezialisten hängen. Das kostet wenig und nimmt der Gegenseite ihr stärkstes Argument.

Varroa konsequent behandeln. Das ist der einzige Punkt, an dem Imkerei nachweislich und messbar Einfluss auf Wildbienen hat. Wer hier schlampt, schadet – und liefert die Begründung für Verbote gleich mit.

Tracht schaffen, nicht nur nutzen. Wer Völker aufstellt, sollte vorher Blüten aufstellen. Streuobst, Säume, Altgrasstreifen, späte Trachtpflanzen. Das ist die einzige Maßnahme, die beiden Bienengruppen gleichzeitig nützt – und laut Maurer und Kollegen sogar die Viruslast senkt.

Wildbienen mitdenken. Offene Sandflächen, Totholz, markhaltige Stängel, unversiegelte Böschungen. Kostet fast nichts, wirkt genau dort, wo der Engpass ist.

Kein Bee washing. Keine Bienenpatenschaft als Naturschutz verkaufen. Kein „Rettet die Bienen“ auf dem Honigglas. Die Glaubwürdigkeit, die man hier verspielt, fehlt später in der Sachdebatte.

Und drei Fragen für alle, die diese Debatte verfolgen

Wo wurde das gemessen? Ist die Honigbiene dort heimisch? — Bei welcher Dichte? Vierzehn Völker pro km² auf einer Insel sind etwas anderes als zwei bis drei in einer Kulturlandschaft. — Und was genau wurde gemessen? Blütenbesuche, oder Nachkommen?

Die Rechnung, die niemand bezahlt hat

Zurück zur Quittung vom Anfang. Sie war als kleine Freundlichkeit gemeint, und sie hat als Streitobjekt geendet. Vielleicht sollte man sie neu ausstellen.

Auf der neuen Rechnung stünde nicht, was ein Bienenvolk leistet. Es stünde, was fehlt. Fünfundachtzig Prozent des artenreichen Grünlands, verschwunden seit den 1950er-Jahren. Sechsundsiebzig Komma sieben Prozent der Insektenbiomasse, verschwunden in siebenundzwanzig Jahren, gemessen ausgerechnet in Naturschutzgebieten. Einundsiebzig Prozent der Pflanzenarten im Ackerinneren. Achtundvierzig Prozent der Wildbienenarten auf der Roten Liste.

Diese Rechnung ist nicht bezahlt. Sie ist nicht einmal ernsthaft aufgemacht worden. Und die Auseinandersetzung darüber, wer sie begleichen soll, wird derzeit zwischen zwei Gruppen ausgetragen, die beide auf derselben Seite stehen: Menschen, die Wildbienen schützen wollen, und Menschen, die Honigbienen halten. Die einen haben recht damit, dass Bienenhaltung kein Naturschutz ist. Die anderen haben recht damit, dass sie deshalb noch lange kein Naturzerstörer sind.

Es gibt Punkte, an denen sich die Imkerei bewegen muss: in den Städten, in kleinen Schutzgebieten, bei der Varroabehandlung, beim Bee washing. Diese Punkte sind konkret, überprüfbar und im Grunde unstrittig. Wer sie ernst nimmt, verliert nichts und gewinnt seine Glaubwürdigkeit zurück.

Und es gibt einen Punkt, an dem die Kritik sich bewegen muss: Sie müsste aufhören, aus einer offenen wissenschaftlichen Frage ein moralisches Urteil zu machen. Die Formulierung, die die Datenlage hergibt, lautet nicht „Honigbienen verdrängen Wildbienen“. Sie lautet: „Unter bestimmten, benennbaren Bedingungen ist ein Effekt plausibel, in Mitteleuropa bisher aber nicht nachgewiesen, und der Hauptgrund für das Wildbienensterben liegt nachweislich woanders.“

Das ist kein Satz, der auf ein Reel passt. Es ist der Satz, der stimmt.

Häufige Fragen zu Honigbienen und Wildbienen

Verdrängen Honigbienen Wildbienen?

In Mitteleuropa ist eine Verdrängung bisher nicht nachgewiesen. Ein systematisches Review von 83 Freilandstudien (2026) fand zwar in 100 % der Fälle eine Überlappung bei der Blütennutzung, aber nur 5 bis 12 % der Studien haben überhaupt gemessen, ob Wildbienen dadurch weniger Nachkommen bekommen. Nachgewiesen ist ein negativer Effekt vor allem dort, wo sehr viele Völker auf wenig Blüten treffen und die Honigbiene nicht heimisch ist – auf Inseln, in Trockengebieten, in Übersee.

Ist die Honigbiene ein Nutztier oder ein Wildtier?

Beides. Apis mellifera ist in Europa heimisch und lebt auch wild: In deutschen Buchenwäldern wurden freilebende Völker in Spechthöhlen nachgewiesen, mit 0,11 bis 0,14 Völkern pro km². Gleichzeitig ist die ursprünglich heimische Dunkle Biene in Deutschland praktisch verschwunden, und was heute gehalten wird, ist gezüchtete Carnica oder Buckfast. Wer nur „Nutztier“ sagt, blendet die Hälfte aus – wer nur „Wildtier“ sagt, ebenfalls.

Gibt es in Deutschland zu viele Bienenvölker?

Auf die Fläche gerechnet nein. 2025 gab es rund 976.400 Völker, das sind etwa 2,7 pro Quadratkilometer. Um 1900 waren es über 2,6 Millionen, nach dem Zweiten Weltkrieg noch rund zwei Millionen. In Westfalen sank die Dichte von 7,3 Völkern/km² (1954) auf 1,8 (2010) und liegt heute bei 3,2. In manchen Innenstädten ist die Dichte dagegen tatsächlich zu hoch – Berlin kommt auf etwa 12 Völker/km².

Warum sterben die Wildbienen wirklich?

Wegen Lebensraumverlust. Artenreiches Grünland ist in Deutschland seit den 1950er-Jahren um rund 85 % zurückgegangen, die Ackerwildkräuter auf knapp 5 % ihrer früheren Fläche, die Pflanzenarten im Ackerinneren um 71 %. Die Krefelder Studie fand 76,7 % weniger Insektenbiomasse in 27 Jahren und nennt als Ursache die Intensivierung der Landwirtschaft. Honigbienen kommen in dieser Studie nicht vor. Für die meisten Wildbienen ist außerdem nicht Nahrung, sondern der Nistplatz der Engpass.

Übertragen Honigbienen Krankheiten auf Wildbienen?

Der Mechanismus existiert: Die Viruslast ist in gehaltenen Honigbienen im Schnitt mehr als zehnmal höher als in Wildbestäubern, und Blüten funktionieren als Übertragungsweg. Ob daraus tatsächlich Schaden entsteht, ist offen – im Experiment ließen sich Hummeln selbst mit sehr hohen Virusmengen oral nicht infizieren. Entscheidend ist die Varroamilbe: Sie hat das Flügeldeformationsvirus überhaupt erst zur Epidemie gemacht. Konsequente Varroabehandlung ist damit auch Wildbienenschutz.

Ist Imkerei Naturschutz?

Nein. Ein Bienenvolk aufzustellen rettet keine gefährdete Art und stellt keinen Lebensraum wieder her. Bienenhaltung ist eine Form der Landwirtschaft. Daraus folgt aber nicht, dass sie der Natur schadet – dieser zweite Satz braucht eigene Belege, und die gibt es für Mitteleuropa nicht. Wer wirklich etwas für Wildbienen tun will, schafft Blühflächen und Nistplätze.

Wie viele Bienenvölker verträgt ein Naturschutzgebiet?

Der NABU empfiehlt maximal drei Völker pro Quadratkilometer in Naturschutzgebieten und im 2-Kilometer-Umkreis. Dieser Wert liegt im Bereich dessen, was auch die Fachliteratur diskutiert (3,1 bzw. 3,5 Völker/km²). Für die Normallandschaft außerhalb von Schutzgebieten leitet der NABU keine Obergrenze ab. Zum Vergleich: Der deutsche Durchschnitt liegt bei 2,7 Völkern/km².

Hilft der Bücherskorpion gegen die Varroamilbe?

Nach heutigem Kenntnisstand nicht in nennenswertem Umfang. Belegt ist, dass Bücherskorpione Varroamilben fressen – das wurde 2015 per DNA-Analyse nachgewiesen. Nicht belegt ist eine Kontrolle des Milbenbefalls auf Volksebene. Die einzige Feldstudie mit positivem Ergebnis maß nur den natürlichen Milbenfall, nicht die Milbenpopulation, und wurde nie unabhängig repliziert. Bücherskorpione mit einem Wirkversprechen zu verkaufen, ist von der Datenlage nicht gedeckt.

Peter Rauscher

Bio-Imker · Naturschützer · Augsburg

Ich betreibe die BioImkerei Rauscher in Augsburg und halte seit 20 Jahren Bienen nach Bio-Richtlinien. Seit 25 Jahren bin ich im Naturschutz aktiv, unter anderem BUND Naturschutz, LPVA, Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg. Kommunalpolitisch engagiere ich mich für Bündnis 90/Die Grünen und bin seit 2020 Fraktionsvorsitzender im Augsburger Stadtrat.

Diesen Text habe ich geschrieben, weil mir eine Debatte auf die Nerven geht, in der zwei Seiten gegeneinander ausgespielt werden, die dasselbe wollen. Hinweise auf Fehler nehme ich ernst: Kontakt · peterrauscher.de

Quellen und Studien

Alle Studienangaben wurden an der Originalpublikation oder – wo diese nicht frei zugänglich ist – an der offiziellen Verlagsseite geprüft. Zahlen zu Deutschland stammen aus amtlichen Quellen oder von den jeweiligen Verbänden. Wer einen Fehler findet: bitte melden, er wird korrigiert und die Korrektur kenntlich gemacht.

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  19. Maurer, C., Schauer, A., Yañez, O., Neumann, P., Gajda, A., Paxton, R.J., Pellissier, L., Schweiger, O., Szentgyörgyi, H., Vanbergen, A.J. & Albrecht, M. (2024): Species traits, landscape quality and floral resource overlap with honeybees determine virus transmission in plant–pollinator networks. Nature Ecology & Evolution 8(12): 2239–2251. doi.org/10.1038/s41559-024-02555-w
  20. Kohl, P.L. & Rutschmann, B. (2018): The neglected bee trees: European beech forests as a home for feral honey bee colonies. PeerJ 6: e4602. doi.org/10.7717/peerj.4602
  21. Kohl, P.L., Rutschmann, B., Sikora, L.G., Wimmer, N., Zahner, V., D’Alvise, P., Hasselmann, M. & Steffan-Dewenter, I. (2023): Parasites, depredators, and limited resources as potential drivers of winter mortality of feral honeybee colonies in German forests. Oecologia 202(3): 465–480. doi.org/10.1007/s00442-023-05399-6
  22. Requier, F., Garnery, L., Kohl, P.L., Njovu, H.K., Pirk, C.W.W., Crewe, R.M. & Steffan-Dewenter, I. (2019): The Conservation of Native Honey Bees Is Crucial. Trends in Ecology & Evolution 34(9): 789–798. doi.org/10.1016/j.tree.2019.04.008
  23. Visick, O.D. & Ratnieks, F.L.W. (2023): Density of wild honey bee, Apis mellifera, colonies worldwide. Ecology and Evolution 13(10): e10609. doi.org/10.1002/ece3.10609
  24. Garibaldi, L.A. et al. (2013): Wild Pollinators Enhance Fruit Set of Crops Regardless of Honey Bee Abundance. Science 339(6127): 1608–1611. doi.org/10.1126/science.1230200
  25. Kleijn, D. et al. (2015): Delivery of crop pollination services is an insufficient argument for wild pollinator conservation. Nature Communications 6: 7414. doi.org/10.1038/ncomms8414
  26. Hallmann, C.A. et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE 12(10): e0185809. doi.org/10.1371/journal.pone.0185809
  27. Rote-Liste-Zentrum: Bienen (Hymenoptera: Apidae), Rote Liste Deutschlands, Fassung 2011 (Westrich, P., Frommer, U., Mandery, K., Riemann, H., Ruhnke, H., Saure, C. & Voith, J.). 557 bewertete Arten, rund 48 % gefährdet oder ausgestorben. rote-liste-zentrum.de
  28. Baude, M. et al. (2016): Historical nectar assessment reveals the fall and rise of floral resources in Britain. Nature 530: 85–88. doi.org/10.1038/nature16532
  29. Casanelles-Abella, J. & Moretti, M. (2022): Challenging the sustainability of urban beekeeping using evidence from Swiss cities. npj Urban Sustainability 2: 3. doi.org/10.1038/s42949-021-00046-6
  30. Casanelles-Abella, J., Baldock, K., Leonhardt, S.D., Moretti, M., Patterson, M. & Egerer, M. (2026): When honeybees come to town: Critical aspects of urban beekeeping and opportunities for regulation. People and Nature. doi.org/10.1002/pan3.70256
  31. NABU (2024): Standpunkt „Honigbienen in Naturschutzgebieten“, 11.03.2024. PDF — sowie NABU: Gefährden Honigbienen Wildbienen? (Pollen- und Nektarmengen je Volk, Dichteempfehlungen)
  32. Boecking, O. (LAVES, Institut für Bienenkunde Celle): Imkerei in Heidegebieten – mögliche Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen. Stellungnahme und Handlungsempfehlungen. PDF
  33. Ratsch, H. et al. (2018): Bücherskorpione als Varroabekämpfer. Endbericht zum Forschungsprojekt der IGS List Hannover, gefördert von der Robert Bosch Stiftung. PDF
  34. van Toor, R.F., Thompson, S.E., Gibson, D.M. & Smith, G.R. (2015): Ingestion of Varroa destructor by pseudoscorpions in honey bee hives confirmed by PCR analysis. Journal of Apicultural Research 54(5): 555–562. doi.org/10.1080/00218839.2016.1184845
  35. BMEL-Statistik (2026): Versorgungsbilanz Honig, Berichtsjahr 2025. 976.400 Bienenvölker, 39,4 kg Ertrag je Volk, rund 38.600 t Produktion, Selbstversorgungsgrad 45 %. bmel-statistik.de — sowie Universität Hohenheim, ökonomische Analyse des Imkerei-Sektors (Bestäubungsleistung rund 1,6 Mrd. €/Jahr)
  36. Deutscher Imkerbund e.V.: Zahlen & Fakten, Stand 2024. 137.223 Mitglieder, 929.065 Völker; geschätzt rund 143.000 Halter mit 964.000 Völkern. deutscherimkerbund.de
  37. proBiene: Die Dunkle Europäische Honigbiene – Verdrängungsgeschichte, heutiger Bestand, staatlich anerkannte Belegstelle Rheinland-Pfalz (2021/2022). probiene.de
  38. LWL / Westfalen Regional: Bienenvölker in Westfalen. 1954 rund 156.000 Völker, 2010 unter 38.000, 2022 rund 69.000. westfalen-regional.de
  39. Imkerei in Deutschland – historische Völkerzahlen nach der Statistik des Deutschen Reiches (1900: 2.605.350; 1913: 2.311.277; 1921: 1.930.382). Übersicht mit Quellenangaben
  40. Zurbuchen, A., Landert, L., Klaiber, J., Müller, A., Hein, S. & Dorn, S. (2010): Maximum foraging ranges in solitary bees: only few individuals have the capability to cover long foraging distances. Biological Conservation 143(3): 669–676. doi.org/10.1016/j.biocon.2009.12.003
  41. ZDFheute (17.08.2025): „Honig aus dem Garten: Kritik am privaten Bienen-Boom“. Mit Laura Breitkreuz (NABU) und Stellungnahme des Deutschen Imkerbunds; Völkerzahlen 1951 und heute. zdfheute.de
  42. Oddie, M.A.Y. & Dahle, B. (2024): One for all and all for one: a review on the commonality of risk to honeybees and wild pollinators and the benefits of beekeepers in conservation. Frontiers in Bee Science 2: 1305679. doi.org/10.3389/frbee.2024.1305679
  43. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Fachzentrum Bienen: Projekt BeeCom – „Honigbienen vs. Wildbienen: Konkurrenzen und Carrying Capacity verschiedener Waldtypen Bayerns“, Laufzeit 2024–2026. lwg.bayern.de
  44. Mellifera-Netzwerk, Diskussionsforum: „Torben Schiffer und BEESTEEZ – Analyse zu einer seltsamen Medien-Kampagne gegen die Imkerei“ (Videoanalyse von Ralf Matulat, 2025/26). discourse.mellifera-netzwerk.de
  45. NABU: Das Verschwinden der Wiesenblumen und Ackerkräuter. Auswertung von Vegetationsaufnahmen der 1950er/60er-Jahre gegen rund 1.000 wiederholt untersuchte Flächen in Nord- und Mitteldeutschland. nabu.de
  46. top agrar (18. und 22.07.2024): Berichterstattung zu „Honigbienenverbotszonen“ mit Christian Schmid-Egger (Wildbienengutachter) und August-Wilhelm Schinkel (Deutscher Imkerbund). topagrar.com — sowie Der Tagesspiegel: „Das Geschäft mit den Bienen“ mit Christoph Saure
  47. aktion tier – Menschen für Tiere e.V.: Kampagne „Nutztier Honigbiene“ (Zusammenstellung der Tierschutzvorwürfe gegen die Imkerei). aktiontier.org
  48. Schiffer, T. (2020): Evolution der Bienenhaltung. Artenschutz für Honigbienen. Verlag Eugen Ulmer. Sowie die kritische Auseinandersetzung damit: „Der Populismus des Torben Schiffer“ (stadtrandhonig.de, 2021) und bienenbau.info zum Bücherskorpion

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Behauptungen wurden nur dann namentlich zugeordnet, wenn sie in einer nachprüfbaren Veröffentlichung oder einem dokumentierten Interview belegt sind. Aussagen einzelner Social-Media-Akteure, für die keine belastbare Primärquelle vorlag, sind in diesem Text bewusst nicht namentlich zugeschrieben, sondern als in der Debatte kursierende Behauptungen behandelt.

Offenlegung: Ich betreibe eine Bio-Imkerei und verkaufe Honig. Das ist ein Interessenkonflikt. Er ist der Grund, warum in diesem Text jede Zahl verlinkt ist — niemand soll mir glauben müssen.