Totale Brutentnahme gegen die Varroamilbe

Es ist ein ewiges Thema für uns Imker*innen: Die Varroamilbe. Weil es sich um einen eingeschleppten Parasiten handelt, können unsere heimischen Bienen sich nicht allein gegen diese Milbe wehren und sind (jedenfalls in der wirtschaftlichen Bienenhaltung) auf die Unterstützung durch eine Imkerin oder einen Imker angewiesen.

Bisherige Verfahren

Bisher haben wir mit organischen Säuren (Oxal-, Ameisen- oder Milchsäure), die auch natürlicherweise im Honig vorkommen und von den Bienen wieder abgebaut werden können, gegen Varroa behandelt. Dieses Jahr versuchen wir es erstmals im großen Stil mit einem biotechnischen Verfahren: der totalen Brutentnahme. Da die Varroamilbe sich in der verdeckelten Brut vermehrt, kann man die Befallslast durch die Entnahme der gesamten Brut eines Volks erheblich senken. Aus demselben Grund vernichten manche Imker*innen die Drohnenbrut (“Drohnen schneiden“), da diese durch eine längere Brutzeit von 24 Tagen für die Varroamilbe besonders attraktiv sind. In unserer Imkerei haben wir uns aber gegen dieses Verfahren entschieden.

Ablauf der totalen Brutentnahme 

Bei der totalen Brutentnahme werden alle Rähmchen auf Brut kontrolliert und jedes Rähmchen, auf dem sich noch verdeckelte Brut befindet, entnommen. Dazu wird als erstes die Königin kurzzeitig aus dem Volk genommen.
Zum Ausgleich werden den Bienen frische Mittelwände, Leerrahmen oder ausgebaute Waben zugegeben. Ein angenehmer Nebeneffekt der totalen Brutentnahme ist also die Wachs und- Wabenerneuerung. Alte, mehrfach bebrütete Waben können aus dem Wachskreislauf entnommen werden. Wir haben uns zusätzlich dazu entschieden, die Bienen auch Waben im Naturbau bauen zu lassen.
Dadant-Beuten, bei denen schon vorher die Größe des Brutnests angepasst werden kann, eignen sich für dieses Verfahren erheblich besser als Zanderbeuten, bei dem stets alle 10 bis 20 Rähmchen kontrolliert werden müssen – die im unglücklichsten Fall auch alle bebrütet sind.

Die entnommene Brut kommt mit ein paar Handvoll Bienen in eine sogenannte Brutscheune, wo die Jungbienen binnen 3 Wochen schlüpfen. Aus diesen Bienen können dann Kunstschwärme gebildet oder Ableger verstärkt werden. Da wir gerade eine erfolgreiche Königinnen-Zuchtreihe abgeschlossen haben, haben wir uns für die Bildung von Kunstschwärmen entschieden.

Diese neu entstandenen Völker müssen dann zumindest einmal traditionell mit Oxal- oder Milchsäure behandelt werden.

Nebeneinander traditioneller und biotechnischer Verfahren

Ganz ohne eine Behandlung mit organisches Säuren kommt man gegen die Varroamilbe wohl nicht an. Auch bietet sich nicht in jedem Jahr ein solch aufwändiges Verfahren wie die totale Brutentnahme an: Neben dem erheblichen Materialaufwand muss auch der Zeitpunkt stimmen und eine Verwendung für die entnommene Brut gegeben sein. Passen jedoch alle Umstände, kann man sich durch dieses Verfahren im Jahr eine Säurebehandlung sparen. Dazu treten weitere Vorteile wie die Wachserneuerung und eine kurzfristige Ertragssteigerung, weil die im Stock verbliebenen Bienen einerseits weniger Futter verbrauchen, andererseits die bisherigen Ammenbienen beim Honig sammeln helfen können. So kann gerade eine Spättracht noch einmal gesteigert werden. Andererseits müssen die Bienen eine Chance haben, die Brutlücke wieder aufzuholen, um für den Winter genügend Winterbienen aufziehen zu können.

Fazit: Eine totale Brutentnahme kann eine Alternative zur Säurebehandlung sein – wenn alle Umstände stimmen!

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