Kann man das Bienensterben kurz erklären?

Kann man nicht! Man macht es sich auch zu einfach, wenn man die moderne Landwirtschaft als Alleinschuldige ausmacht. Die Gründe dafür sind vielseitig.

Vorab sei gesagt: Imkern erfordert ähnlich wie ökologisches Landwirtschaften einen erweiterten Horizont, um erfolgreich bestehen zu können. Nur wenn man den Zusammenhang des Lebens und der Natur versteht, kann man langfristig Erfolg haben. Wer sich auf Empfehlungen verlässt, ohne die Hintergründe zu kennen und zu verstehen, wird früh oder später scheitern und sich ständig sagen “Ich habe doch alles richtig gemacht”.

Zusammenhänge verstehen

Es geht aber um mehr als das Anwenden irgendwelcher Mittel, dafür muss man z.B. den Parasiten kennen: Wie er lebt, seine Biologie, wie er sich vermehrt, was ihn bremst etc. Man muss das Mittel kennen, wie es wirkt, was die Wirkung begünstigt, was sie schwächt.
Wer sich dem ständigen Lernprozess stellt, selbst die Zusammenhänge studiert und sich stets mit den neu gewonnen Informationen ein eigenes Bild erarbeitet, wird erfolgreich sein. Die Imkerei ist Teil der Landwirtschaft, deshalb herrschen dort oft ähnlich verbohrte Ansichten und Strukturen. Wer sich darauf einlässt und vertraut, wird immer wieder scheitern, aber die Gründe für sein Scheitern nie verstehen!

Warum werden die Bienenvölker in Deutschland immer weniger?

Wegen eines massenhaften Bienensterbens? Das massenhafte Bienensterben (zumindest bei der gehaltenen Honigbiene) gibt es nicht.
Imkern liegt voll im Trend, die Zahlen der Imker*innen steigen rasant, aber die gehaltenen Völker pro Imker*in werden immer weniger. Dies liegt vor allem an der Unwirtschaftlichkeit – Imkern als Hobby wird immer teurer, Berufsimkereien sind eine Seltenheit geworden.
Kein Wunder, denn immer neue eingeschleppte Parasiten erfordern ein Handeln der Imker*innen, sowohl finanziell wie auch durch Zeitaufwand und Fortbildung.

Die Trachtfenster sind kurz, es gibt nur wenig Massentrachten im Jahr, welche die Imkerin oder der Imker nutzen kann. Ist das Wetter in diesen kurzen Zeitabschnitten dann nicht optimal, so wird die Honigernte ausfallen. So lohnt sich das Imkern im großen Stil wirtschaftlich kaum.

Monokulturen – Fluch und Segen

Mais als Monokultur ist schuld? Nein nicht Mais als Monokultur ist schuld, sondern Monokultur ist schuld! Aber auch darüber lässt sich streiten, denn Honigbienen benötigen große Massentrachten. Auch Raps wird als Monokultur angebaut, wird aber nicht verteufelt weil er honigt! Dabei ist Rapshonig oft deutlich mit Pestiziden belastet, da man in der konventionellen Landwirtschaft das Saatgut mit Neonicotinoiden beizt oder jetzt nach dem Verbot mehrfach im Jahr gesprüht wird.

Einsatz von Insektiziden

Pflanzenschutzmittel und deren Zulassungsverfahren sind ein großes Problem für viele Insekten. Neonicotinoiden sorgen dafür, dass Insekten sterben – Insektizide haben dies so an sich. Da Bienen auch Insekten sind, ist es nicht verwunderlich, dass auch diese bei Aufnahme einer gewissen Dosis sterben oder die Orientierung verlieren und nicht mehr zu ihrem Stock finden. Weit problematischer als für die Honigbienen ist dieses für unsere vielen solitär lebenden Wildbienen. Stirbt eine Wildbiene, gibt es von dieser keinen Nachwuchs mehr. Bei Honigbienen sieht dies anders aus, das Volk besteht weiterhin, auch wenn einzelne Bienen sterben. (Eine Ausnahme sind großflächig falsch ausgebrachte Pestizide, was z.B. 2008 durch das falsch ausgebrachte gebeizte Saatgut mit Clothianidin zu einem Völkersterben von mehreren tausend Völkern geführt hat.)

Über die Notwendigkeit dieser Mittel wird trefflich gestritten. Wir sind davon überzeugt, dass ein natürliches Gleichgewicht zwischen Nütz- und Schädlingen besser anders und nachhaltiger erreicht werden kann – dies ist aber ein anderes Thema 😉

Ohne Varroabehandlung: Tod des Volkes?

Oft argumentieren die Agrarchemiebranche wie auch einige Landwirte: Schuld am Bienensterben ist die Varroamilbe! Die Imker*innen würden nicht richtig behandeln und deswegen zahlreiche Bienenvölker verlieren.
Sicherlich ist dies ein Faktor, möchte man meinen. Schließlich lebt die Varroamilbe in Deutschland in jedem Bienenvolk – eine Nichtbehandlung muss ja zwangläufig nach kurzer Zeit zum Volkskollaps und Völkersterben führen! Oder? Seit nun mehr 2 Jahren beobachte ich im Augsburger Stadtwald ein freilebendes Bienenvolk in einem Baum, abgelegen und unzugänglich. Dieses Volk lebt, ohne jede Behandlung durch den Menschen. Diese Entwicklung habe ich dokumentiert:  Hier gehts lang
Diese Volk entscheidet selbst, wie es baut, wann es schwärmt, wann es seine Königin tauscht, wie viel Honig es braucht, etc. Für Imker*innen ist dies unmöglich. Die Bienen leben nicht in einem Baum, sondern in Beuten. Durch dieses veränderte, “unnatürliche” Umfeld müssen Imker*innen ganz anders agieren und

folglich auch gegen Varroa behandeln.

Faszination Biene

Ich bin nicht in die Imkerei eingestiegen, um Honig zu gewinnen, auch wenn auch ich ein wenig Honigüberschuss entnehme, um mir mein Hobby zu finanzieren. Es war die Faszination dieser Tiere. Ein Staat mit 50.000 Individuen und doch funktionieren sie einfach, ohne Streit, ohne Krieg, Jede weiß, was sie zu tun hat.
Warum gelingt es diesem Superorganismus nicht, gegen eine kleine Milbe anzukommen? Warum kommt dieser Bienenstaat in unserer modernen Welt nicht mehr zurecht?

War ich anfangs noch ratlos, so habe ich mittlerweile ein klareres Bild, was unsere Bienen gefährdet.
Die Rechnung ist ganz einfach:

Weniger Mensch = mehr Bienen.
Mehr Öko, mehr Vielfalt, mehr Natur und vor allem mehr Bildung in Land- und Forstwirtschaft sowie in der Imkerei.

 

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